Einer der Gäste und Teilnehmer unserer 1. (Un)Konferenz #NKNA18 im Juni 2018 war Jörg Müngersdorff, President und CEO der Beratungsgesellschaft Synnecta NV. Erfreulicherweise war Jörg von unserer Veranstaltung und uns so angetan, dass er mich gleich einlud, beim Werkhaus18, einer Veranstaltung der Synnecta in Köln, einen Workshop über Unternehmensdemokratie durchzuführen. Dieser Post ist meine höchst persönliche Zusammenfassung des Events.

Werkhaus18 – Thema und Rahmen

Wie so oft zur Zeit, war das Thema der Veranstaltung New Work. Und dazu passte dann sogleich die Location: Der Co-Working Space  Wertheim Cologne in der Nähe des Hauptbahnhofs. Allerdings war die alleinige Nennung des Buzzwords New Work den Macher*innen von der Synnecta glücklicherweise nicht genug, ganz anders als bei anderen Veranstaltern, wo man und frau das Gefühl bekommt, es geht alleinig darum, ein gerade SEO taugliches Stichwort zu bedienen. Vielleicht lag das ja auch daran, dass hier vorwiegend Frauen für die Veranstaltung verantwortlich waren:  Die konzeptionelle Planung und Umsetzung hat Hanna Göhler zusammen mit Maria Wagner, Fetiye Sisko und Alva Hoffmann gestaltet und Sabine Römisch hat beim Eventmanagement mitgemacht. Das ist ja fast schon wieder diskriminierend ;-)

Nein, das Synnecta Team kratzte nicht nur an der Oberfläche, sondern bohrte tiefer. Hier ein Auszug der Veranstaltungsbeschreibung:

Die altruistischen Kosmopoliten sind da. Sie machen sich die globalen Zustände zu Nutze, denken Arbeit neu, handeln anders, und stellen das alte, von Nationalstaaten und kapitalistischen Organisationsformen geprägte Wertesystem in Frage. New Work ist da: von Digitalisierung und Technologisierung, über Selbstbestimmung und Sinn, hin zu Permanent Beta. Alles ist in Bewegung, alles ist virtuell, der neue Arbeitsbegriff ist Ausdruck der Prozessualität der Welt. Panta rhei gilt.

New Work. Ein sagenumwobenes Phänomen, ein Zustand. New Work denken wir nicht als Buzzword. Es ist nichts Romantisches und bezeichnet auch nicht den Kickertisch oder die Kanbantafel im Büro. Sondern es ist als eine Realität zu denken, mit der wir uns alle bewusst befassen sollten, um in der komplexen Umwelt handlungsfähig zu sein. Denn egal, wie »beta« wir sind und denken – wir selbst sind nicht virtuell, möchten ein gutes Leben haben und die Arbeit gestalten. …

Eigentlich wollten wir priomys alle dabei sein, aber leider wurde Daniela Röcker krank und musste in Stuttgart bleiben und das Bett hüten. Somit waren wir nur durch Stefan Röcker und mich vertreten, die weibliche Seite von New Work fehlte, was wir natürlich bedauerten, aber trotzdem unser Bestes gaben, auch ohne sie wertvolle Beiträge zu liefern.

Werkhaus18 – Ablauf und erste Eindrücke

Das Veranstaltungsdesign war eine gelungene Mischung aus kuratierten Beiträgen und der Möglichkeit für die Teilnehmenden, selbst Beiträge im Sinne von Barcamps anzubieten. Der Tag fing dabei erst mal quasi bei Null an, denn sowohl die Teilnehmenden als auch Workshopleitende durften erst mal den Raum aufbauen, Sitzgelegenheiten positionieren, Lichterketten installieren etc., was mich gestandendermaßen ein wenig an unsere #NKNA18 erinnerte. Ob das nun ein Zufall war, oder wir priomys Pate standen – es war auf jeden Fall ein guter Einstieg, den New Work ist ja auch nichts, wo man einfach reinkommt und alles ist schon schlüssel- und bezugsfertig.

Begrüßung und Eröffnung durch Dr. Rüdiger Müngersdorff

Es folgte die Begrüßung durch den Geschäftsführer Dr. Rüdiger Müngersdorff und dann ein kurzer Überblick über die Agenda. Anschließend ging es gleich mit ordentlich Dampf in die erste Runde: Fetiye Sisko, Synnecta Prinzipalin, führte in das Thema des Tages ein. Und zwar mit viel Verve und Humor einerseits und einer kritischen Reflexion andererseits. Allen, die noch nicht sattelfest auf diesem Begriff durch die Arbeitswelt reiten können, hielt Fetiye die Steigbügel, indem sie ein differenziertes Bild zeichnete, was deutlich über innenarchitektonische und kulinarische Feelgood- sowie Methoden-Reduktionen hinausgeht. Und vor allem: Es wurde deutlich, dass New Work auch das Potential hat, Selbstausbeutung zu befeuern. Oder wie Andreas Boehs vom ISF München so trefflich formulierte: Wir müssen aufpassen, dass die Digitalisierung und Neue Arbeit in diesem Kontext nicht zu einem totalüberwachten digitalen Fließband wird.

Schließlich kamen die Leitenden der ersten Workshoprunde dran und sollten ihren Beitrag in der Barcamp üblichen Minute kurz vorstellen. Zur Auswahl standen dabei folgende Themen:

  • Stell Dir vor die Zukunft wird wunderbar und du bist schuld!
  • Spielräume: Spielerisch kreativ Organisationen der Zukunft denken, bauen, gestalten…
  • Agile Reise von Bosch Power Tools
  • Unternehmensdemokratie. Zukunft der Arbeit oder Witz der Woche – ja, ich gestehe, ich habe da eine alten Titel rausgekramt. Never change a running system, gilt für mich auch für griffige, provokante und humorvolle Titel.

Werkhaus18 – Workshop Unternehmensdemokratie

Der Unternehmensdemokrat bei der Arbeit

Mein Beitrag war insgesamt von einer schlichten Eleganz, vulgo: Ohne Schnickschnack 😜. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der 10 Teilnehmenden eröffnete ich den Workshop mit einem ca. 20 minütigen Impuls. Ich stellte zwei der Unternehmen und ihre Versionen von Unternehmensdemokratie vor, die ich ursprünglich in meinem letzten Buch „Alle Macht für niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ portraitiert hatte: Die visionäre Geschichte der Autowelt Hoppmann einerseits und die gänzlich andere und gescheiterte Unternehmensdemokratie der ehemaligen Wagner Solar GmbH & Co KG.

Daraufhin entbrannte wie bislang immer zu dem Thema eine lebendige Diskussion über alle möglichen Aspekte von Unternehmensdemokratie. Da das Spektrum der Teilnehmenden erfreulicherweise weit gespreizt war (Konzernführungskräfte, Vertreter aus mittelständischen Unternehmen ebenso wie aus dem Bereich NGO sowie Berater*innen) entwickelte sich auch eine thematisch reiche und spannende Auseinandersetzung über den Sinn und Zweck, die Chancen und Risiken der Demokratisierung von Organisationen.

Werkhaus18 – Das weitere Programm

Nach einem nicht nur ökologisch korrekten sondern ausgesprochen leckeren Mittagessen aktivierte uns die Synnecta Prinzipalin Melanie Eberhard mit einer ebenso schlichten wie schönen Chorübung. Erst hatte jeder den Raum, seine eigene Stimme und seinen eigenen Sound zu finden, so dass wir dann – ohne Ich kein Wir, wie Shelley Sacks sagen würde – von dort aus zu einer gemeinsamen Stimme wurden. Einmal mehr wusste ich, warum ich Musiktherapeut geworden bin, die Kraft der eigenen Stimme und das akustische miteinander verschmelzen hat eine ganz eigene Magie. Immer wieder.

Und dann folgte einer der seit langem besten Vorträge über New Work – und das von jemandem, den ich bislang nicht mit New Work in Verbindung gebracht hatte. Der Synnecta Geschäftsführer Dr. Rüdiger Müngersdorff sprach eine knappe Stunde und reflektierte das Streben nach einer neuen Arbeitswelt vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung, die weiter zurückreicht, als bei den meisten aktuellen New Work Protagonist*innen,  mich eingeschlossen. Außerdem blickte er nicht nur durch die Brille der Wirtschaft auf die Zukufnt der Arbeit, sondern bezog auch immer wieder eine gesellschaftliche Perspektive, was mir besonders gut gefiel. Ich gehe aber jetzt nicht näher auf den Inhalt ein, da wir den Vortrag in den nächsten Wochen fürs Web überarbeiten und in einem unserer Blogs publizieren werden.

Das danach folgende Angebot an die Teilnehmenden, selber Sessionvorschläge zu machen, wurde leider nicht angenommen (auch interessant, nebenbei bemerkt: Es ist eben keineswegs so, dass immer alle Teilnehmenden scharf drauf sind, zu Teilgebenden zu werden). Somit gab es eine zweite Runde neue Workshops und ein paar Wiederholungen des Vormittags. Ich war in einem Workshop von Daniel Goetz und Eicke Reinhardt, die sowohl für die Synnecta arbeiten als auch mit agateno eine kleine Beratungsfirma haben. Ihr Beitrag kreiste um die Themen lösungsorientierte Beratung und die Bedeutung von Narrativen für die Transformation von Organisationen. Mit hatten es insbesondere die Narrative angetan, da ich als ehemaliger Musiktherapeut schon Mitte der 1990er mit lösungsorientierter Kurzzeitpsychotherapie in Kontakt kam und das Konzept schon lange kenne und schätze.

Werkhaus18 – Alles in allem…

… eine rundum gelungene Veranstaltung, die ich jedem fürs nächste Jahr empfehlen kann. Das liegt nicht nur daran, dass die Inhalte und die Location gut gewählt waren, sondern auch an der sehr persönlichen und herzlichen Atmosphäre, die das Synnectateam gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern Drs. Jörg und Rüdiger Müngersdorff auf die Beine gestellt hatten.

Und mehr noch: Ich hatte den Eindruck, dass hier wirklich etwas reflektiert und weitergedacht wird und nicht einfach nur ein Hypebegriff zum Befüllen einer Halle missbraucht wird. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass es eben ein kleines, sehr überschaubares Event war, bei dem wenige Menschen in einen intensiven Austausch gingen.

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: Stefan Röcker
  • Veranstaltungsräume zu Beginn: Andreas Zeuch (NKNA18), Stefan Röcker (Werkhaus18)
  • Dr. Rüdiger Müngersdorff: Andreas Zeuch
  • Andreas Zeuch bei der Arbeit: Stefan Röcker
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