Größer muss nicht immer besser sein, daher fragte ich mich im Vorfeld des LeanAroundTheClock schon das ein oder andere Mal, ob der Charakter des Lean-Klassentreffens in der großen Maimarkt-Halle erhalten bleiben würde. Die beiden Tage in Mannheim beantworteten diese Frage eindrucksvoll: Ja, das LATC war nicht nur quantitativ gewachsen, sie hat auch noch mehr Qualität bekommen, dabei aber den ihr eigenen Charme bewahrt. Aus Ausstellersicht können wir von priomy berichten, dass die Gespräche und Kontakte an unserem Stand noch besser waren, als im Jahr zuvor. Das Format der Themenbox ist eine tolle Idee: Dieses Experiment des LATC-Teams ist gelungen und war für uns ein Erfolg – danke dafür!

Der Mittwoch vor dem LATC

Springen wir gedanklich zum Morgen des 20.03. zurück: Das herrliche Wetter mit tiefblauem Himmel und Sonnenschein spiegelt an diesem Morgen perfekt meinen Gemütszustand wider. Die Vorfreude auf das LeanAroundTheClock 2019 ist riesengroß, als ich mich auf den Weg mache, den Mietwagen abzuholen, mit dem wir gleich den priomy-Stand und die Utensilien für unsere Themenbox von Stuttgart nach Mannheim kutschieren. Die Sachen sind schnell verstaut und Daniela und ich machen uns auf den Weg. Bis auf den üblichen Stau um Pforzheim herum und einem kleinen (recht einseitigen) Disput, zwischen mir und der Google-Navigations-Susi, kommen wir gut durch und beziehen erst einmal unser Hotel in Mannheim. Andreas und Heiko treffen kurz nach uns per Bahn ein. Nach einer kurzen Lagebesprechung machen wir uns auf den Weg zum Maimarkt.

In der Maimarkt-Halle ist die Freude über das Wiedersehen mit dem LATC-Team groß, der Empfang wie immer herzlich. Aber es ist in der riesigen Halle sofort auch eine kleine Anspannung spürbar, die über die normale Nervosität vor einer Veranstaltung hinausgeht. Kein Wunder, wir erfahren, dass die Feuerwehr vier Tage zuvor den Hallenplan – der den Verantwortlichen seit über drei Monaten vorlag – über den Haufen geworfen hat. Die Aufteilung der Halle ist deutlich anders als gedacht und die Flächen sind wesentlich weitläufiger als geplant. Zum Glück wird sich am nächsten Tag mein ungutes Gefühl, das in dem Moment in mir aufkam, NICHT bestätigen, dass diese so kurzfristig aufgezwungenen Änderungen, dem so besonderen Community-Charakter des LATC schaden könnten. Trotz der zusätzlichen Hürde hat das Team um Angela und Ralf wieder einmal perfekte Vorarbeit geleistet und der germanLEANcommunity den passenden Rahmen für das jährliche Klassentreffen bereitet.

Standaufbau

Standaufbau

Alles was wir für unseren Stand und die Themenbox benötigen, steht bereit. Wir brauchen lediglich Banner, Roll-Up und Messetheke samt Monitor aufzustellen. Das Team vom Messebauer hilft uns ein bisschen bei der Ausstattung der Themenbox und schon sind wir fertig mit unseren Vorbereitungen. Das LeanAround-TheClock könnte von uns aus beginnen, während um uns herum noch ein geschäftiges Treiben die Halle beherrscht.

Spannung am Stand: Wie wird unsere priomy.map ankommen?

Als wir am nächsten Morgen in die Halle kommen, ist die Spannung groß. Was wird uns am Stand und in unserer Themenbox erwarten? Was werden die Menschen zu unserer brandneuen priomy.map sagen, die wir wenige Tage vor dem LATC zur freien Verfügung online gestellt hatten. Zur Eröffnung des LATC liegt bei mir – mit dem Wissen, um die Schwierigkeiten im Vorfeld – noch ein komisches Gefühl im Magen und ich meine zu spüren, dass auch Ralf Volkmer nicht so locker wie sonst die Bühne zur Begrüßung entert. Dieses leichte Unbehagen legt sich aber rasch, Ralf fängt 650 Leute mit Witz und Charme ein, das LATC nimmt zügig Fahrt auf und kommt ins Rollen. Janine Kreienbrink übernimmt die Moderation und der erste Speaker erscheint auf der Bühne. Die Menge lauscht gespannt und an unserem Stand informieren sich die ersten Menschen darüber, was priomy macht und was es mit dieser Map auf sich hat.

Tolle Gespräche am Stand!

Die Gespräche am Stand sind von Anfang an richtig gut, noch deutlich besser, als im Vorjahr. Wir bekommen schnell die ersten positiven Feedbacks, die Besucher*innen finden es prima, dass wir mit einer interaktiven Karte Unternehmen sichtbar machen, die selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen. Wir hatten im Vorfeld über 130 Organisationen selbst recherchiert, die in unterschiedlichen Qualitäten Partizipation und Mitbestimmung für ihre Mitarbeiter*innen anbieten. Vier weitere Unternehmen sind auf der Map, die bereits unseren VertrauensEintrag ausgefüllt haben. Und wir sind aktuell dabei, die ersten beiden CultureChecks durchzuführen, bei dem wir uns die Unternehmen persönlich ansehen und einen ausführlichen Bericht erstellen. Diese erscheinen in Kürze auf der priomy.map mit einem türkisen „Fähnchen“. Über die komplette Veranstaltung hinweg sind die Reaktionen auf unsere Initiative positiv. Wir bekommen zahlreiche Hinweise zu Unternehmen, die noch auf die Map gehören.

Themenbox: Old Work, New Work – Bridge over troubled Water!

Kurzweilig geht der Vormittag vorüber und der Zeitslot für die Themenboxen naht. Leichte Nervosität steigt in mir auf. Wie wird das Format, das wir uns ausgedacht haben, ankommen? Wie viele Menschen werden sich auf dem Lean-Event für das Thema „Old Work, New Work – Bridge over troubled Water“ interessieren und zu uns kommen? Wir haben den Raum für ca. 30 Leute ausstatten lassen und fänden es schon klasse, wenn auch so viele kämen.

Andrang in der Themenbox

Andrang in der Themenbox

Ich gehe mit Daniela eine halbe Stunde vor Beginn hinüber in unsere Box. Wir treffen die letzten Vorbereitungen und gehen im Geiste den Ablauf und unsere kurzen Impulsvorträge nochmal durch. Ca. 10-15 Minuten bevor die Themenbox startet, trifft der erste Gast ein. Ein guter Bekannter, der noch scherzt, dass er als bisher Einziger gerne einen Einzelworkshop mit uns machen würde. Das wird zum Glück nicht nötig sein, denn die Box füllt sich kurz vor dem Start rasant. Immer mehr Menschen drängen herein, so dass schnell der Platz knapp wird. Die 30 Sitzplätze, die bereitstehen, reichen bei Weitem nicht aus. Spontan und selbstorganisiert holen sich die Leute Stühle aus den Stuhlreihen vor der Hauptbühne. Dass diese später nicht wieder selbstorganisiert an ihren ursprünglichen Platz finden, sei hier nur am Rande und mit einem Augenzwinkern erwähnt – wir haben sie gerne zurückgebracht. Trotzdem bekommen nicht alle einen Sitzplatz, es bildet sich zusätzlich eine Traube vor dem Eingang. Wir sind beeindruckt und freuen uns gewaltig über den Zuspruch! Im Folgenden gebe ich einen kurzen Abriss, was in der Themenbox besprochen wurde. Wenn ihr tiefer einsteigen möchtet, könnt Ihr Euch die komplette Themenbox im Videomitschnitt ansehen.

 

 

Die Mitarbeit und Aktivität bei unserem interaktiven Format ist imponierend. An der Skalierungsübung zum Einstieg in den zweistündigen Workshop nehmen praktisch alle teil. Es wird darin deutlich, dass viele der Anwesenden sich Veränderungen hin zu selbstbestimmten Arbeiten wünschen, aber im Moment überwiegend in Organisationen arbeiten, die noch lange nicht so weit sind. Eine schöne Bestätigung dessen, was wir mit priomy tun und in unserem Claim so formulieren: „Wir machen selbstbestimmte Arbeit sichtbar, attraktiv und wirkungsvoll.“

Als nächstes wollen wir von den Teilnehmer*innen wissen, was sich in der „neuen“ Arbeitswelt ändern soll und was sie aus der „alten“ behalten möchten. Das Ergebnis seht ihr unten auf dem Foto. Die Antworten sind divers und durchaus auch gegensätzlich. Alleine darüber könnten wir den restlichen Workshop lang diskutieren. Wir haben aber einen anderen Matchplan. Mit drei Impulsen, über die im Anschluss jeweils in Murmelgruppen diskutiert werden darf, möchten wir das Fundament für eine Brücke gießen, welche die „Old Work“ mit der „New Work“ verbindet. Der Grundstein für die gemeinsame Veranstaltung zusammen mit der LATC in Mannheim im nächsten Jahr.

 

Old Work, New Work - was soll sich ändern und was soll bleiben?

Old Work, New Work – was soll sich ändern und was soll bleiben?

 

Demokratische Problemdefinition

Andreas macht mit dem ersten Impuls weiter. Sein Thema ist die „demokratische Problemdefinition“. Die Antworten, die wir in der Fragerunde zuvor sammelten, spiegeln die Meinungen einzelner Teilnehmer*innen unserer Themenbox wider. Von den 60-70 Leuten, die dabei waren, kam aber nur ein Teil zu Wort. Was aber ist mit den anderen? Wie denken sie darüber? Das wissen wir nicht.

Murmelgruppen in der Themenbox

Murmelgruppen in der Themenbox

Und genauso ist das auch in vielen Organisationen, die sich transformieren möchten. Die Probleme und Aufgabenstellungen werden oft nur von ein paar wenigen Menschen definiert, die aber meist nicht wissen, welche Probleme die Mitarbeiter*innen sehen und haben. Daher ist es wichtig, die Themen und Argumente aller Beteiligten zu sammeln und anschließend zu konsensieren, welches die dringlichsten Themen sind und als erstes angegangen werden sollten. Mit diesem Impuls schicken wir die Teilnehmer*innen in die ersten kleinen Murmelgruppen, um zu diskutieren, für wie sinnvoll sie dieses Vorgehen halten und was sie darüber denken. Was dann passiert, übertrifft noch einmal unsere Erwartungen. Super engagiert und voller Eifer diskutieren die Menschen in kleinen Gruppen mit drei bis fünf Menschen intensiv. Nach ca. 6-7 Minuten sammeln wir die Ergebnisse der einzelnen Gruppen im Plenum ein und sind begeistert über die tollen Beiträge.

Ängste und Fehlerkultur

Den zweiten Impuls setzt Daniela. Sie geht eine Stufe zurück und fragt, ob diese „demokratische Problemdefinition“ in den Unternehmen unserer Teilnehmer*innen so einfach ohne weiteres funktioniert hätte. In vielen Firmen, in und mit denen sie schon gearbeitet hat, wäre das nicht so einfach gewesen. Viele trauen sich nicht zu sagen, was sie denken, weil sie in ihrem abhängigen Beschäftigungsverhältnis lieber unauffällig bleiben, um nicht negativ aufzufallen. Sie lädt die Anwesenden dazu ein, sich wieder in Murmelgruppen darüber auszutauschen, ob es in ihren Firmen möglich sei, sich frei und bedenkenlos zu äußern. Falls ja, warum und wie man das schaffe? Wie wird mit Fehlern umgegangen? Welche Unsicherheiten gibt es, aufgrund derer sich jemand nicht beteiligt? Woher kommen die Unsicherheiten? Welche Gründe fallen der Gruppe noch ein, die eine Beteiligung verhindern? Wieder wird in den Murmelgruppen intensiv diskutiert und geredet.

Die Beziehungsebene

Im dritten und letzten Impuls knüpfe ich, Stefan, an Danielas Vortrag an. Mein Thema ist die Beziehungsebene. Was muss in Teams und Organisationen passieren, um diese Ängste und Unsicherheiten auszuräumen? Eine Möglichkeit wäre, zu vermitteln, dass Kooperation mehr bringt, als Konkurrenz. Ich beziehe mich in meinem Impuls auf ein Buch von Marc Elsberg. In einen Thriller eingebettet, erläutert er einfach verständlich den komplizierten mathematischen Nachweis zweier Londoner Physiker, dass Kooperation mehr Wohlstand bringt. Und damit auch mehr Zufriedenheit und Sicherheit.

Impulsvortrag

Impulsvortrag

Aber wie schaffen wir es, wie bekommen wir diese unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um zu kooperieren was muss auf der zwischenmenschlichen Ebene passieren, dass wir in unserer Organisation offen und ehrlich miteinander sprechen? Ich werfe ein Zitat aus dem Buch in den Raum: „Aus Egoismus sollte man zusammenarbeiten. Aus Gier sollte man teilen.“

Mit den folgenden Fragen schicke ich die Teilnehmenden in die letzte Murmelgruppe und das daran anschließende Impulsplenum: Wie organisieren wir es, dass möglichst viele Meinungen partizipieren können und gehört werden? Wie schaffen wir es, diesen Willen zur Kooperation zu befördern, um möglichst viel Diversität in die Meinungsbildung zu bekommen, um bessere Entscheidungen treffen zu können? Was muss sich dazu in den zwischenmenschlichen Beziehungen ändern und wie wird es strukturiert und organisiert? Was muss getan werden, um diese Ängste und Unsicherheiten auszuräumen?

Feedback zur Themenbox

Zum Abschluss fordern wir die Runde auf, uns Feedback zu geben, wie sie unsere Themenbox finden. Und was soll ich sagen, ich freue mich für uns über eine tolle Feedbackrunde. Es scheint, als ob wir die Erwartungen an die Teilnehmer*innen deutlich mehr als erfüllen und ein solides Fundament für den Brückenbau zwischen alter und neuer Arbeit legen konnten. Für uns eine tolle Bestätigung für das Format und für das LATC-Team die Bestätigung, dass das Format der Themenboxen funktioniert!

Tag zwei

Den zweiten Tag verbringen wir priomys überwiegend an unserem Messestand und reden mit den Besucher*innen über priomy und Transformationsprozesse hin zu selbstbestimmter Arbeit – durchaus Nachwirkungen der Themenbox vom Vortag. Mein persönliches Highlight an Tag zwei ist ein „Reflecting-Team“, das spontan aus mehreren parallelen Gesprächen an unserem Stand entsteht. 9 Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen sitzen ca. 1,5 Stunden zusammen an unserem Stand und sprechen mit uns über Ihre Probleme und Erfahrungen aus ihren Teams und Organisationen. Ein toller Austausch, der uns allen viele praktische Erkenntnisse und Impulse brachte. Danke auch von mir dafür!

Fazit

Kurz gesagt: Für uns priomys war es eine rundherum gelungene LATC2019! Die Gespräche an unserem Stand waren noch besser als im Vorjahr und die Themenbox war für uns und die Teilnehmenden ein voller Erfolg – wir freuen uns auf das nächste Jahr, wenn wir zusammen mit der LATC endlich „diese verdammte Brücke bauen!“

Mit besten Grüßen
Stefan Röcker

Blick ins Publikum

Blick ins Publikum

 

Bilder: Andreas Zeuch, Heiko Nowak, Stefan Röcker

 

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  1. […] lässt, ist der Umgang mit Fehlern. Beim diesjährigen „LeanAroundTheClock – LATC in Mannheim bespielten wir für priomy eine der Themenboxen mit dem Titel „Old Work, New Work – Bridge […]

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