Drei Minuten. Fast wäre es perfekt gewesen, aber eben nur fast. Aber irgendwie doch ziemlich nah dran. Um 8:30 öffnete die kleine Maimarkthalle in Mannheim am 08. März am Ende des roten Teppichs (kein erzählerisches Geschwurbel, die reine Wahrheit) ihre Türen. Der Einlass zur Lean around the clock 2018 (LATC18) fing an. Und wir brauchten noch bis 8:33 – dann verschwand der Passwortschutz unserer Website und wir waren endlich öffentlich sichtbar. Passend zu unserem ersten Ausstellerstand auf diesem wunderbar verrückten Lean Event der völlig anderen Art.

Für uns begann diese Reise bis hin zu dem erwähnten Stand vor knapp einem Jahr nach der LATC17. Damals erhielten wir von Ralf „Ralle“ Volkmer, dem Macher des Events, ein tolles Angebot für einen Ausstellerstand, das wir einfach nicht ablehnen konnten. Glücklicherweise, denn die Veranstaltung war, wie schon im letzten Jahr, wieder eine großartige Sache in mehrfacher Hinsicht.

LATC18: Community Treff

Zunächst einmal war das ganze so etwas wie ein gigantisches Familientreffen. Natürlich kannte ich nicht alle 511 Teilnehmer*innen, aber doch einige, entweder aus der Lean-, New-Work- oder Agilitäts-Szene oder einfach so: Bodo Antonic, Heiko Bartlog, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Stephanie Borgert, Conny Dethloff, Frédéric Jordan, Marc Lambertz, Anton Seidl,

Aber natürlich gab es auch einige Leute, die ich bisher nur oder vorwiegend virtuell kannte – oder überhaupt noch nicht: Annette Elias, Dr. Karin Kelle-Herfurth, Manfred Meyer, Oliver Schaeben, Marc Wagner, Jan Westerbarkey, … um nur einige zu nennen. Alle anderen mögen mir verzeihen, dass ich sie hier nicht erwähnt habe.

LATC18: Unusual by Rulebreaking

Einer der Macher der LATC, Ralf „Ralle“ Volkmer, in seinem dezenten Outfit.

Manchmal ist es erstaunlich, wie einfach es ist, Dinge anders, sehr viel anders zu gestalten. Man nehme eine Horde Speaker, so ca. 30, und lasse sie einfach, ohne Unterlass und Gnade, nacheinander auftreten und zwar zwei Tage lang. Kein Barcampgedöns, keine Publikumsbeteiligung in Form von Sessions, keine Workshops, keine Twitterwall. Statt dessen ein roter Teppich für alle. Ohne Ausnahme. Niemand musste den Saal über den Hintereingang betreten (darf dies aber, wenn er oder sie lieber unerkannt oder überaus bescheiden Zutritt suchte). Die Kleiderordnung erlaubte so ziemlich alles (wobei ich weder Smoking noch Badebekleidung  gesehen hatte, leider…) und der Umstand, dass es gezielt keine Namensschilder mit erlauchten Funktionsbezeichnungen wie „Vorstandsvorsitzender“ oder „Geschäftsführer“ gab, trug auch dazu bei, dass sich auf diesem Event die meisten Menschen intuitiv ohne Standesdünkel begegneten.

Und dann noch ein Organisationsteam, dass dazu passend nicht über Augenhöhe redete, sondern sie einfach lebte und wirklich als Team auftrat. Dazu, als i-Tüpfelchen, der Primus inter Pares, Ralf Volkmer, welcher (selbst)ironisch mit einem Anzug durch die Gegen lief, der, nun ja, so unfassbar skurril und hässlich war, dass es schon wieder großartig aussah (vor allem, weil er so wunderbar den V-Shape von Herrn Volkmers beeindruckendem Kreuz betonte, gell, Ralle? In der Tat war das wohl nicht zufällig, denn der Mann hat Rückgrat).

LATC18: Liebevolle Moderation

Moderatorin Janine Kreienbrink beweist den evolutionären Vorteil schneller Anpassung an das Umfeld!

Ebenfalls zu der hervorragenden Atmosphäre und Stimmung hat sicherlich auch die stets gut vorbereitete und liebevoll durchgeführte Moderation durch Janine Kreienbrink beigetragen. Für Sie war das selbstverständlich, was so manchem Moderator abgeht: eine gute Vorbereitung auf jeden einzelnen Speaker und das damit verbundene Thema. Und das ganze noch mit einer ordentlichen Prise Humor. Mein persönlicher Favorit bestand im Instanthaarwuchs, als Janine neben Mark „VSM“ Lambertz und dessen stadtbekanntem New-Work-Bart plötzlich ebenfalls im langen Vollbart auftauchte – pünktlich zum Weltfrauentag am 08.03. Da erblasste sogar der sonst so gar nicht um Worte verlegene Mark.

Wenn Janine mit den Speakern und dem Publikum in den Dialog ging, war dies stets geprägt von einer respektvollen Haltung. Da gab es keine Versuche, als Moderator neunmalklug jemanden aus der Reserve zu locken oder ihn in die argumentative Pfanne zu hauen. Ihr Debüt als Moderatorin der LATC ist damit aus meiner Sicht gelungen.

LATC18: Wider die Filterblase

Wir kennen das alle: Wir bewegen uns mit unserer fachlichen Expertise in irgendeiner Filterblase. Dort sind wir zuhause, fühlen uns wohl und kompetent. Dort treffen wir virtuell und real Menschen, die sich auch für unser Leib- und Magenthema interessieren und mit denen wir trefflich diskutieren und / oder streiten können. Wir müssen nicht jeden grundlegenden Begriff erst mal erklären (Was bitte ist das: New Work, Unternehmensdemokratie?) oder dessen Grundlagen diskutieren und verhandeln. Wir können fix auf einem höheren Niveau ins Gespräch und gemeinsame Denken einsteigen. Das hat eine Menge Vorteile. Aber eben auch Nachteile.

Die Filterblase ist oft bis meistens auch eine Egoechokammer. Wir lernen wenig Neues, blicken zumeist aus der ewig selben Perspektive auf unser Thema und finden vor allem viel Bestätigung statt konstruktiv-kritischen Fragen und Bemerkungen. Genau das ist glücklicherweise auf der LATC ebenfalls anders: Eigentlich ist das ganze ja eine „Lean-Veranstaltung“ – aber auf der Bühne stehen auch eine Menge Experten, die mit Lean eher wenig bis nichts zu tun haben. Und damit die Leanwelt deutlich bereichern. Mit dem kunterbunten Speakermix, der da auf der Bühne steht, ist zwar nicht garantiert, dass es keine Blase gibt, aber zumindest schweben mehrere Blasen nebeneinander her, und man kann leichter von der einen in die andere wechseln.

LATC18: Ein schönes Geburtsumfeld

Genau dieses Umfeld, diese Atmosphäre, dieser Geist passten perfekt zu unserer offiziellen Geburtsstunde von priomy. Überhaupt haben wir es der LATC zu verdanken, dass wir jetzt endlich online sind. Denn ohne unseren Stand und die selbstauferlegte Verpflichtung hätten wir wohl die Paretoregel noch ein bisschen länger missachtet. Wir hätten noch dies und das verbessert, hier noch gefeilt und dort poliert. Das können wir jetzt in Ruhe unter Euren und den Blicken der Öffentlichkeit nachholen.

Wir kamen mit einigen Menschen ins Gespräch, denen wir unseren Unternehmenszweck näher bringen konnten: Wir machen selbstbestimmte Arbeit sichtbar, attraktiv und wirkungsvoll. Wir sprachen über unsere verschiedenen Angebote, angefangen bei unserer agilen Jobbörse nur für diejenigen Arbeitgeber und -nehmer, die ein echtes Interesse an selbstbestimmter Arbeit haben (mit anderen Worten: Agilität, Arbeiten 4.0, Mitbestimmung, Neue Arbeit, Selbstorganisation, Unternehmensdemokratie…); oder unser Culture- und CompetenceCheck, um beiden Seiten die Möglichkeit zu geben, den aktuellen organisationalen oder persönlichen Stand zur selbstbestimmten Arbeit herauszuarbeiten und zu dokumentieren; oder priomy.pieces, künstlerische Performances, Installationen oder was auch immer, um selbstbestimmte Arbeit im Kontext einer Organisation originell und humorvoll sichtbar zu machen; oder unsere Events – für den Anfang unsere 1. (Un)Konferenz am 15.06.2018 in Berlin; und natürlich unsere Unterstützung bei Transformationen durch Beratung, die individuelle Begleitung im Coaching und unsere Vorträge.

Nach der LATC…

Das Rad dreht sich weiter, die Zeit vergeht und was jetzt Vergangenheit wurde, ist auch schon wieder Zukunft: Bereits auf der diesjährigen LATC gab es ein Poster mit dem Aufbau der LATC19 in der großen Maimarkthalle. Nach der LATC ist also vor der LATC. Es geht weiter und die nächsten Entwicklungsschritte waren bereits auf dem Poster sichtbar.

Die nächste LATC dürfte also noch größer werden. Und bei Ralf und seinem Team vertraue ich darauf, dass es ihnen gelingt, den Geist und die Atmosphäre der bisherigen Veranstaltungen mindestens aufrecht zu erhalten. Vielleicht schaffen sie es ja sogar, noch besser zu werden. Was dann aber fast schon wieder unanständig wäre, denn wer hat dann noch Lust auf andere Veranstaltungen ;-) So oder so: Wir werden auch wieder mit dabei sein.

Und zum Schluss: Danke an alle, Danke an das Orga-Team der LATC18, danke an alle anderen Teilnehmer*innen, Danke an alle Standkolleg*innen – es war schön Euch kennenzulernen, Euch wiederzusehen, mit Euch zu reden, streiten, diskutieren; es war schön von Euch zu lernen und mit Euch zu lachen. Danke im Namen des gesamten priomy Teams!

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: © Andreas Zeuch
  • Ralf Volkmer solo auf der Bühne: © Andreas Zeuch
  • Janine Kreienbrink mit Bart: © Dr. Karin Kelle-Herfurth
  • Menschengruppen: © Heiko Nowak
  • priomy Mosaik: © Heiko Nowak & Andreas Zeuch
  • Halle unscharf: © Heiko Nowak

 

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