Elternzeit: Im Zuge der Vorbereitung zu unserem Markteintritt hatten wir viele wertvolle und inspirierende Gespräche mit potentiellen Kunden, Netzwerkpartnern und anderen mehr. So auch mit der Gründerin und Geschäftsführerin des Elternnetzwerks „elterngarten„, Tanja Misiak, einem unserer aktuellen Kooperationspartner, die auch ihre Perspektive auf unsere Gründung hier in unserem Blog veröffentlichte. Sie erzählte in unserem Kennenlerngespräch, dass viele Menschen in Elternzeit anfangen über einen möglichen beruflichen Wechsel nachzudenken. Ein irgendwie naheliegendes Phänomen, insbesondere, wenn man als frische Mutter oder neuer Vater gerade miese Erfahrungen mit seinem augenblicklichen Arbeitgeber macht.

Elternzeit: Mindestens 2 Gründe einen Wechsel zu erwägen

Wenn Du nach der Elternzeit, egal ob als frisch gebackene Mutter oder Vater, wieder arbeiten willst, dann wäre diese Auszeit prinzipiell eine hervorragende Möglichkeit zur Zwischenbilanz. Du kannst diese Musterunterbrechung des bisherigen Alltags nutzen, um genau, eingehend und mit mehr Ruhe zu prüfen, ob der bisherige Job auch bei der Rückkehr aus der Elternzeit noch immer das ist, was Du wirklich, wirklich willst. Was natürlich voraussetzt, dass Du mit diesem Gefühl überhaupt mal in diesen Job gestartet bist. So oder so: Now’s the time. Du kannst mit Deinem neuen Nachwuchs, egal ob es nun das erste oder dritte Kind ist, vor den Bauch geschnallt schöne Spaziergänge machen, raus aus der Bude und rein in die Natur (in der Stadt hilft natürlich auch schon Dein Lieblingspark). So unterwegs, in Bewegung, das neue Leben nah an Dir dran spürend, ist es nicht unwahrscheinlich, für die Zukunft Deiner Arbeit auf neue Ideen zu kommen.

Darüber hinaus passiert es aber leider oft, dass Eltern kurz vor der Elternzeit lausige Erfahrungen mit ihrem aktuellen Arbeitgeber machen. Die Elternzeit wird als ungewünschte Unterbrechung der unternehmerischen Produktivität gesehen, manch ein Arbeitgeber sieht darin beinahe eine Sabotage der Effizienz. Und wenn Mutter oder Vater dann zurückkehren, müssen sie sich dämliche Sprüche anhören und natürlich die Erwartung des Arbeitgebers erfüllen, möglichst wieder sofort in Vollzeit einzusteigen. Und das der Arbeitgeber mit eigenen Kitas und ähnlichem mehr die neuen Eltern beim Wiedereinstieg unterstützt, ist immer noch die Ausnahme. Wen wundert es bei solchen Erfahrungen, dass manche Eltern einen Wechsel des Arbeitgebers ernsthaft in Betracht ziehen? Aus unserer Sicht erfordert die Verantwortung der Familie und sich selbst gegenüber genau das: Dem totalökonomisierenden letzten Arbeitgeber eine deutliche Absage erteilen und sich einen Arbeitgeber suchen, der seine Hausaufgaben in Sachen Familienvereinbarkeit gemacht hat.

Selbstständigkeit als Alternative?

Wer tatsächlich lausige Erfahrungen mit dem aktuellen Arbeitgeber macht, kann natürlich schnell auf die Idee kommen, einfach sein eigener Arbeitgeber zu werden. Dann macht einem niemand mehr täglich Vorschriften und man kann sich nicht nur mit seinen eigenen Ideen einbringen, sondern es ist sogar die Grundlage des angestrebten Erfolgs. Von der Gestaltung und Steuerung täglicher Arbeitsprozesse bis hin zur Entwicklung der Unternehmens- oder Selbstständigkeits-Strategie funkt kein Vorgesetzter dazwischen. Das könnte in der Tat eine äußerst verlockende Perspektive sein.

Sie hat aber einen Haken. Diese Art zu arbeiten ist wahrlich nicht für jeden geeignet. Neben Fragen der täglichen Arbeitsatmosphäre – alleine oder lieber im Team, täglich Homeoffice, Coworkingspace oder Büro etc.? – gibt es beim Aufbau selbstständiger Arbeit eine erhebliche Herausforderung: Niemand verdient sofort das Geld, das zur Bewältigung des Alltags nötig ist. Mit einer festen Anstellung sieht das bekanntermaßen ganz anders aus. Niemand wird erst mal ein, zwei Jahre arbeiten und vom Ersparten leben müssen. Ab Arbeitsbeginn stehen den Arbeitnehmer*innen ihre Gehälter zu. Punkt. Insofern sollten alle Eltern, die einen Wechsel in Erwägung ziehen, sehr genau hinschauen und -fühlen, ob selbständige Arbeit wirklich ideale Arbeitsbedingungen für einen  bietet.

Selbstbestimmt angestellt statt selbstständig

Screenshot elterngarten

Screenshot elterngarten

Tanja Misiak vom elterngarten hat das ziemlich klar auf den Punkt gebracht. Erste Überlegungen bis hin zu Plänen, in Zukunft selbstständig tätig zu sein, statt zum alten Arbeitgeber zurück zu gehen, sind oft nicht das, worum es wirklich geht. Die Vorstellungen und Phantasien waren vielmehr Ausdruck eines tiefen Wunsches, sein Gehirn nicht an der Pforte abgeben zu müssen, sondern mitdenken und -gestalten zu dürfen. Das Wunschbild „Selbstständigkeit“ ist ein Platzhalter für selbstbestimmte Arbeit. Oder etwas weniger weitreichend formuliert: Für ein ausreichendes Maß an Mitbestimmung. Und zwar so, dass man als Arbeitnehmer*in nicht nur entscheiden darf, ob man die Kaffeetasse rechts oder links von der PC Tastatur abstellt.

Es geht statt dessen um Mitbestimmung in den drei Bereichen operative, taktische und strategische Entscheidungen (Partizpationsreichweite, vgl. „Alle Macht für niemand„). Warum solltest Du nicht auch mit Deinen Kolleg*innen gemeinsam entscheiden, wer zukünftig als neuer Kollege bei Euch im Team mitarbeitet, statt diese Kollegin von der Personalabteilung vor die Nase gesetzt zu bekommen? Warum solltest Du nicht – wenn Du willst – bei der immer wiederkehrenden Entwicklung der Unternehmensstrategie beteiligt werden? Schließlich geht es da um das große Ganze. Um den Sinn und Zweck der Arbeit, mit der Du einen großen Teil Deiner Lebenszeit verbringst (ca. vier bis acht Stunden täglich wochentags rund 35-40 Jahre lang (!) – ohne Anfahrt). Wieso sollte all das einfach durch Deine Vorgesetzten entschieden werden? Du bist doch ansonsten auch ein erwachsener Mensch – und das gerade jetzt, mit all der Verantwortung für Deinen wundervollen und so fragilen Nachwuchs. Dir wird nicht nur zugetraut, sondern sogar erwartet, dass Du als Bürger*in wählen gehst und eine strategische Entscheidung in einem Umfeld triffst, das sehr viel komplexer ist, als Dein Arbeitgeber. Aber dort sollst Du nur Erfüllungsgehilfe sein? Niemand muss das hinterfragen, aber man kann es.

Elternzeit – Wechselzeit: Ein paar Leitfragen

Wir haben mit Tanja vom elterngarten überlegt, was für Dich als Mutter oder Vater mit einem wie auch immer gearteten Wechselwillen sinnvolle Fragen sein könnten. Worüber könntest Du, und worüber solltest Du vielleicht nachdenken und mit anderen reden? Was sind wichtige Aspekte zur Klärung Deiner beruflichen Zukunft nach der Elternzeit?

Alter Arbeitgeber

  • Erstelle eine Liste der Pro und Contras Deines alten Arbeitgebers, bei dem Du vermutlich noch angestellt bist.
  • Bewerte diese Liste und erstelle ein Ranking: Was stört Dich aktuell am meisten am aktuellen Arbeitgeber? Was würdest Du am meisten vermissen?

Dein Wunscharbeitsplatz

  • Nimm Dir Zeit und male Dir Deine ideale Arbeit aus: Was ist Dir dort wichtig? Die Arbeitszeit(en), Sinnkopplung (was Du dort tust ist für Dich sinnvoll weit über das Geld verdienen hinaus), Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit, tolle Kolleg*innen, das Gehalt, zusätzliche Leistungen, ökologisch-soziale Nachhaltigkeit, der Standort (Dauer der Hin- und Rückfahrt) etc.
  • Gibt es Aspekte, die unbedingt erfüllt sein müssen, damit Du dort arbeitest?

Wechselbedingungen

  • Was sind deine größten Hoffnungen und Erwartungen an einen neuen Arbeitsplatz?
  • Was sind Deine größten Sorgen und Ängste bezüglich eines möglichen Wechsels?
  • Was müsste passieren, damit du unbedingt wechselst?
  • Was müssten passieren, damit du keineswegs wechselst?

Soweit unsere ersten kleinen Anregungen. Nutze alle Ressourcen in Deinem Umfeld die Du hast. Dein(e) Partner*in, Ehefrau, Ehemann; Eltern, Geschwister, sonstige Verwandte (vielleicht nicht mehr die Uroma, die Dich bei den Wort „Internet“ entgeistert anschaut und dann unvermittelt brüllt: „Wer war nett?“); Du könntest auch alte Kolleg*innen zu Rate ziehen, Freunde und Freundinnen. Die meisten von uns müssen arbeiten, um ihre Brötchen zu verdienen und verfügen über reichhaltige Erfahrungen. Vielleicht auch über Ideen – bis hin zu konkreten Vorschlägen, wo Du mal für die Zeit nach der Elternzeit anklopfen könntest, weil die dann gerade jemanden wie Dich suchen werden.

Und wenn all das nicht reicht, oder Du etwas professionelle Distanz suchst, könnte vielleicht auch jemand aus unserem Coaching Team hilfreich sein. Schau einfach mal vorbei auf unseren Websites und bilde Dir einen Eindruck. Es gibt zweifelsfrei Phasen im Leben, wo es sinnvoll ist, sich professionelle Unterstützung zu holen. Ich weiß worüber ich da schreibe. Und jetzt alles Gute beim Reflektieren und bei der Gestaltung Deiner beruflichen Zukunft, sofern das gerade ansteht.

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

Quellen und weiterführende Links

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: Eric Ward, CC BY-SA 2.0
  • Screenshot elterngarten: Tania Misiak, elterngarten
0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.